Donnerstag, 19. September 2013

Makati und die Vorstadt (Teil 2) 18.09.

Da waren wir also. Nach einer langen Fahrt mit Bus, Taxi und Tricycle kamen wir in dem Viertel in der Vorstadt an, in der Maries Schwester wohnt. Es tat sich uns eine komplett andere Welt auf. Während man als Tourist in Manila zwar immer noch zur Minderheit gehört, aber nicht weiter auffällt, ist man hier weit abseits der Touristen-Pfade. Die Leute leben in Verhältnisse, die für uns katastrophal, für sie Realität und vollkommen durchschnittlich sind (auf anderen Teilen der Insel wäre es schlimmer, wurde mir von vielen versichert).

Kaum hatte Marie (die selber Filipina ist) mich und Herr Heumann kurz auf der Straße stehen lassen, um etwas zu Essen zu kaufen, wurden wir von Leute umringt. Wir waren zwar wie Einheimische gekleidet und trugen keine sichtbare Kamera oder so, aber viele Einheimische hatten noch nie in ihrem Leben einen Europäer gesehen. Es wurden (ganz ohne Scheu und ohne zu fragen) Fotos von uns gemacht, wir wurden angefasst, angesprochen, nach unseren Namen gefragt, mit großen Augen angestarrt. Auch auf dem Weg zur Wohnung (wenn man es so nennen möchte) von Maries Schwester liefen sie hinter uns her, zeigten auf uns, tuschelten. Nicht auf abfällige Art, sie waren alle mehr als freundlich und hilfsbereit. Herr Heumann hatte selbst vier Jahre auf den Philippinen gelebt, aber für mich waren es quasi zwei Welten, die aufeinander treffen. Ich lasse mal die Bilder sprechen. Entschuldigung schonmal für die schlechte Qualität der Bilder, bei der geringsten Dämmerung streikt meine Kamera.





Ein Friseursalon direkt an der Straße. Es werden auch Messer geschliffen, ohne eine Schweißmaske zu tragen und Möbel mit provisorischem Werkzeug repariert.


Rambutan, die philippinische Version der Litchi zum Spottpreis. Das Einkommen eines Verkäufers oder Fahrers (Motorrad oder Tricycle) reicht definitiv nicht für den Lebensunterhalt.



Tiere laufen überall frei herum, da sieht man schonmal einen Hasen im Getreide.


Je weiter man sich von der Hauptstraße entfernt, desto ärmlicher wird die Gegend.


Es hängen teilweise freie Stromkabel herum, in keiner Weise gesichert.



Wilde Hunde, die von Abfällen leben und sehr räudig aussehen und Flöhe haben.


In dem hinteren Wohnhaus leben zwei Großfamilien.


Der Spielplatz, bestehend aus Betonröhren.



Ein Laden, es herrscht große Konkurrenz untereinander.






Makati und die Vorstadt (Teil 1) 18.09.

Ich habe beschlossen, den gestrigen Tag in drei Posts aufzuteilen, weil ich so viel erlebt habe, so viele Bilder gemacht habe und es so viel zu erzählen gibt. Und ich nicht mit überlangen Einträgen langweilen will...

Der Tag begann nach einem (spärlichen) Frühstück im Hotel mit einem Besuch in der australischen Botschaft. Da der Botschafter selbst und seine Sekretärin die Stiftung sowohl finanziell als auch menschlich sehr unterstützt hatten, wollte Herr Heumann sich bedanken und ein Geschenk hinterlassen. Als Transportmittel dorthin diente uns wie so oft das Taxi, da es nicht viel teurer als der Bus ist und man sehr komfortabel von A nach B kommt (fast alle Fahrzeuge und Gebäude verfügen über eine Klimaanlage, gottseidank). Wie bereits berichtet ist Makabi ein Geschäftsviertel und dementsprechend sieht die Botschaft aus, sehr modern, riesig groß, verglast, Marmor überall, ein schönes Rondell im Eingangsbereich und richtig stylische Uniformen für die Angestellten. Ich hatte leider keine Kamera dabei, aber sie wäre mir ohnehin abgenommen worden, denn es gab strenge Sicherheitskontrollen wie am Flughafen und fotografieren war nicht gestattet. Außerdem kommt man ohne Magnetstreifen-Karte, die man sich nach der Anmeldung am Empfang abholt, nicht mal in den Aufzug (und mit Karte nur in die Stockwerke, die auf die Karte programmiert sind).
Der Botschafter selbst war leider nicht im Haus, aber seine Sekretärin war sehr nett und man konnte sich gut mit ihr unterhalten.
Allgemein kann man sagen, dass hier wirklich jeder gut Englisch spricht und auch alle Hinweisschilder, Zeitungen, Speisekarten etc. auf Englisch verfasst sind. Ich bin gespannt, ob sich das in ein paar Tagen in Davao/Panabo (in der Provinz) ändern wird.

Danach aßen wir bei jollibee zu Mittag. Jollibee ist quasi die philippinische Version von McDonalds, der hier aber vergleichsweise teuer ist. Generell ist es schwer, wirklich asiatisches Essen zu finden, weil alles sehr ans amerikanische angelehnt ist, Burger, Brownies, Pizza, Hotdogs, Hühnchen in allen Variationen, Popcorn, Steak, Cupcakes etc. sind hier sehr beliebt. Außerdem gibt es für viele Ausdrücke oder Dinge (z.B. ice-cream oder cake) kein Wort in Tagalog, weshalb viele Filipinos eine bunte Mischung aus beidem sprechen. Shoppen ist quasi Volkssport (neben Karaoke singen, das ist nicht nur ein Klischee) und dementsprechend groß sind die Malls.

Gegen 16 Uhr brachen wir nach einer kurzen Pause im Hotel auf, um Maries Familie (Schwester+ Bruder, Marie hat 11 Geschwister!) außerhalb von Manila zu besuchen. Dazu fuhren wir zuerst eine halbe Stunde mit der Metro, die unserer S-Bahn sehr ähnelt, aber nicht auf gleichem Niveau wie die Autos und Busse, sondern ca. 10 Meter höher auf einer Schiene fährt, ähnlich einer Achterbahn.
Schon dort merkt man den deutlichen Unterschied zu Manila, alles wird zunehmend schmutziger, grauer, heruntergekommener und überall stehen Stahlkonstruktionen und Reklametafeln, Müll liegt überall.
Mit dem Taxi ging es danach noch ca. eine Stunde weiter und man konnte die Veränderung beobachten.




Englische Übersetzungen sind nicht immer sinngemäß...



Religion hat einen hohen Stellenwert (80% der Filipinos sind Katholiken). Die Kirchen sind riesig und werden durch die horrende Kirchensteuer finanziert.



Ein Jeepney-Bahnhof direkt nach unserer Ankunft in der Vorstadt (ca. 1,5h von Manila), später mehr dazu.

Maries Schwester holte uns mitsamt Kind ab und wir machten uns mit dem Tricycle auf den Weg zu ihrem Zuhause. Ein Trycycle besteht aus einem Motorrad und einem winzig kleinen Beiwagen, von dem man Angst hat, dass er sich in den nächsten Sekunden verabschiedet. Man lernt die Umgebung dabei auf besonders intensive Weise kennen, weil man jedes Schlagloch spürt.


Bis zu diesem Zeitpunkt hätte ich die Umgebung außerhalb Manilas zwar als schäbig und hässlich bezeichnet (v.a. weil ich ein paar Stunden vorher noch in der Hauptstadt im Geschäftsviertel gewesen war und den direkten Vergleich hatte). Aber als ich nach der Fahrt aus dem Trycycle ausstieg, war ich quasi in einer anderen Welt.






Mittwoch, 18. September 2013

Manila- finally! (16.09./17.09.)

Nach schier endlosen Stunden bin ich gestern sehr erschöpft, aber gesund in Manila angekommen.
Der Flug verlief problemlos. Ich wurde zunächst am Montag in München von Familie und Freund tränenreich verabschiedet und begab mich alleine auf die große Reise. Qatar Airways kann ich mit gutem Gewissen weiterempfehlen- für mich (da es keine Direktflüge nach Manila gab) der günstigste Flug, über das Essen kann man sich nicht beschweren und die cabin crew ist sehr zuvorkommend. Besonders begeistert hat mich das Entertainment-System inklusive herausnehmbarer Konsole ;)


Auch das Umsteigen in Doha (Qatar) klappte, der Flughafen ist sehr interessant (und groß!) und man hält es dort gut 4 Stunden bis zum Anschlussflug aus. Vom Flugzeug bis zum Terminal fuhren wir fast eine halbe Stunde mit dem Bus. Wenn man eine Gitarre im Handgepäck dabeihat, sollte man sich auf viele verwirrte Blicke einstellen... im Flugzeug war das Unterbringen aber kein Problem und ich habe sie heil wiederbekommen.
Nachdem ich auf dem Flug von Doha nach Manila erstaunlich gut geschlafen hatte (trotz einiger Turbulenzen), graute es mir ein wenig vor den Prozeduren am Zielflughafen... mehrere Sicherheits- und Passkontrollen, viele Formulare auszufüllen, Gepäck abzuholen (ich habe da einschlägige Erfahrungen mit fehlenden oder falsch verschickten Koffern) etc.
Das lief jedoch alles glatt. Was man von den nächsten Stunden nicht behaupten kann... man hat vergessen, mich vom Flughafen in Manila abzuholen! Nachdem ich alles abgesucht hatte, per Handy niemand erreichbar war und ich langsam, aber sicher etwas gestresst war, setzte ich mich mit meinem gesamten Gepäck an eine Steckdose und leitete lebensrettende Maßnahmen ein (Flughafen-Wlan sei dank!)


Die Securities am Flughafen waren sehr nett und haben mich von 16-21 Uhr Ortszeit gut unterhalten/beruhigt. Schließlich kamen nach 5 Stunden Wartezeit Herr Heumann (quasi mein Gastvater, er ist der Gründer der Stiftung) und Marie (Herr Heumanns Verlobte, sie heißt eigentlich Marivic) sehr schuldbewusst am Flughafen an und holten mich mit dem Taxi ab.
Durch die Taxifahrt durchs nächtliche Manila und die komplett neue Welt um mich herum hatte ich aber gar keine Zeit, sauer zu sein.


Mein Hotelzimmer für die nächsten 4 Tage in Manila. Wir wohnen im TowerInn, es ist klein, aber sehr sauber und nur fürs Übernachten mehr als ausreichend. Im Anschluss an den Check-In hat mich Herr Heumann noch schnell bei McDonalds eingeladen, er hatte ja einiges gutzumachen und die letzte Mahlzeit lag bei mir auch schon etwas zurück. Danach ging es für mich gegen 0 Uhr Ortszeit ins Bett.

Da ich mit dem Schreiben etwas im Verzug bin, war ich inzwischen auch tagsüber in Manila unterwegs. Allgemein eine sehr laute Stadt, die Hupe wird hier wesentlich öfter verwendet als der Sitzgurt oder die Bremse... unser Hotel liegt im Geschäftsviertel Makati, das eigentlich nur aus winzigen Parks, Wolkenkrazern, Restaurants, Shoppingcentern und kleinen Hotels besteht. Nicht so heruntergekommen wie die Vorstadt, aber trotzdem keine besonders schöne oder außergewöhnliche Stadt.